Viertel / Karte 2 · Mitte

Museums­quartier

Drei Pinakotheken, eine Glyptothek, ein Brandhorst, ein Lenbachhaus, ein NS-Dokumentationszentrum, eine Technische Universität von Weltrang — und mitten dazwischen ein Platz, der Athen sein wollte. Das mittlere Areal der Maxvorstadt verdichtet auf einem Quadratkilometer mehr Hochkultur und schwere Geschichte als jedes andere Münchner Viertel.

Geschichte

Der Königsplatz war Ludwig I.s Lieblingsprojekt. Karl von Fischer entwarf ihn als monumentalen Vorplatz auf dem Weg vom Karolinenplatz nach Nymphenburg; Leo von Klenze setzte die Idee um und ergänzte sie. 1830 stand seine Glyptothek mit dorischer Tempelfront, 1838 das ionische Ausstellungsgebäude (heute Staatliche Antikensammlungen) gegenüber, 1862 dann als westlicher Abschluss die korinthischen Propyläen nach Klenzes Plänen, gewidmet dem griechischen Befreiungskampf und der Königswürde von Ludwigs zweitgeborenem Sohn Otto. Drei griechische Säulenordnungen auf einem Platz — als Schaubuch der Antike gedacht.

Wenige Hundert Meter östlich entstand parallel das Kunstareal. Die Alte Pinakothek (Klenze, 1836) war beim Bau das größte Museum der Welt — Ludwig wollte mit ihr die Wittelsbacher Gemäldesammlung Europa zugänglich machen. Die Neue Pinakothek folgte 1853 (heutiger Bau von Stephan Braunfels), die Pinakothek der Moderne wurde 2002 als drittes Glied der Reihe eröffnet. Mit dem Lenbachhaus im ehemaligen Atelierpalast Franz von Lenbachs (1891) und dem Museum Brandhorst (Sauerbruch Hutton, 2009) ist die nördliche Briennerstraße heute eine der dichtesten Museumsmeilen der Welt.

Die zweite große Schicht: das NS-Erbe. Ab 1931 errichteten die Nationalsozialisten am Königsplatz ihr Parteiviertel. Das Braune Haus (Brienner Str. 45, heute Standort des NS-Dokumentationszentrums), der Führerbau (heute Hochschule für Musik und Theater) und die beiden Ehrentempel am Königsplatz — Hitler ließ den Platz mit Granitplatten zupflastern, um ihn als Aufmarschareal zu nutzen. Die Tempel wurden 1947 gesprengt, der Königsplatz nach jahrzehntelangem Streit 1988 wieder begrünt. Heute ist das Areal Mahnmal und Galerie zugleich.

Die dritte Schicht: die Technische Universität München. 1868 als Polytechnische Schule gegründet, bezog sie 1872 den Bau an der Arcisstraße — heute eines der weltweit führenden Zentren für Ingenieurwissenschaften, KI und Quantentechnologie. Times-Higher-Education-Rang 26 weltweit, Deutschlands Nr. 2 hinter der LMU, und das Herzstück des Munich Innovation Belt zwischen Maxvorstadt, Garching und Freising.

Bedeutung

Internationale Museumsfachleute nennen das Kunstareal einen der dichtesten Museumsbezirke der Welt — eine Bewertung, die das Quartier mit der South Kensington Museums Mile in London, dem Museumsinsel-Komplex in Berlin und dem Museum Mile in New York in eine Reihe stellt. Auf rund 500 Metern Briennerstraße finden sich sechs Häuser von Weltrang. Jährlich kommen über 2,5 Millionen Besucher.

Politisch ist das Quartier der ungemütlichste Ort der Stadt. Wer das NS-Dokumentationszentrum (König+Heitlinger, 2015) am ehemaligen Standort des Braunen Hauses besucht, geht durch ein Mahnmal aus weißem Beton, gegenüber dem Führerbau, mit Blick auf die Sockel der gesprengten Ehrentempel. Selten ist ein Ort so präzise im Sprechen über die eigene Geschichte. Die Briennerstraße, einst Aufmarschstraße der NSDAP, ist heute die Diagonale zwischen Hochkultur und Mahnmal.

Wissenschaftlich ist das Quartier die östliche Hälfte des Munich Innovation Belt. Die TUM allein hat 103 Start-ups im Jahr 2024 ausgegründet — mehr als jede andere deutsche Universität. Rund um den TUM-Stammcampus haben sich SAP, Google, Microsoft und Siemens niedergelassen; die Achse Arcisstraße — Theresienstraße — Türkenstraße ist Deutschlands dichteste Forschungsmeile.

Querverweise

Weiterlesen
im Viertel.

Eine Stadt machen,
die Deutschland
zur Ehre gereichen soll.
König Ludwig I. von Bayern · 1825