Viertel / Karte 3 · Westen

Marsfeld

Der westliche Teil der Maxvorstadt — einst Exerzierfeld und Hinrichtungsstätte, dann Industriequartier mit Erzgießerei und Krauss-Maffei, heute Sitz des Bayerischen Rundfunks, des Augustiner-Bräus und des Circus Krone. Plus die neuen Zentralen von Apple und Google. Wo der Hauptbahnhof endet und Pasing beginnt: das robuste, arbeitende — und plötzlich auch sehr digitale — Gegenstück zum Kulturareal um den Königsplatz.

Geschichte

Das Marsfeld trägt seinen Namen seit 1791. Damals legte die kurfürstliche Verwaltung westlich der Stadt einen Exerzierplatz an — benannt nach dem römischen Gott des Krieges, Mars. Auf diesem Areal wurden bis weit ins 19. Jahrhundert Truppen ausgebildet, Manöver geübt und — bis 1862 — Todesurteile vollstreckt. Der heutige Marsplatz markiert die Mitte dieses historischen Areals; der Name ist ein gedämpfter Schatten der einstigen Bedeutung.

Mit der Industrialisierung änderte sich der Charakter grundlegend. Die Königlich Bayerische Erzgießerei (1837) goss hier die Bronzefiguren der Walhalla, der Befreiungshalle und der Bavaria — Werke Klenzes und Ferdinand Millers, geliefert aus einer Halle westlich des Königsplatzes. Wenige Hundert Meter weiter entstand 1838 die Maschinenfabrik Krauss, später Krauss-Maffei — Lokomotiven, Tanks, Hightech. Krauss-Maffei zog 1931 in das größere Werk in Allach, das Marsfeld blieb aber bis in die 1980er von Industriebauten geprägt.

1873 erhielt das Quartier mit dem Hauptbahnhof seinen wichtigsten Anker (das heutige Empfangsgebäude entsteht gerade neu). Der Hauptbahnhof öffnete das Marsfeld nach Osten — Bahnhof, Bayernkaserne, Brauereien und Gleisanlagen prägten das Stadtbild. Mit dem Augustiner-Bräu (an die Landsberger Straße verzogen, mit Keller an der Arnulfstraße) und dem Löwenbräukeller (Stiglmaierplatz, 1883) entstanden die zwei großen bayerischen Brauerei-Identitäten auf engstem Raum. Beide existieren bis heute — der Augustiner-Keller mit einem der größten Biergärten Münchens (5.000 Plätze), der Löwenbräukeller als architektonisches Wahrzeichen am westlichen Ende der Brienner Straße.

Im 20. Jahrhundert kam das Mediale dazu. 1949 nahm der Bayerische Rundfunk an der Arnulfstraße seinen Sendebetrieb auf, baute in den 1960ern den Funkhaus-Komplex, und sendet seitdem ununterbrochen aus dem Marsfeld in die Republik. Der Circus Krone bekam 1919 sein festes Quartier an der Marsstraße — der einzige feststehende Zirkus Europas. Nach 1990 entstand auf dem ehemaligen Containerbahnhof der Arnulfpark mit Marlene-Dietrich-Straße, Cinemaxx und Verkehrsministerium; das ehemalige Industriegelände hatte sich in zwei Jahrzehnten zur urbanen Wohnadresse gewandelt.

Bedeutung

Das Marsfeld ist Bayerns mediale Achse. Mit dem Bayerischen Rundfunk sitzt eine der größten ARD-Anstalten direkt an der Arnulfstraße — Hörfunk, Fernsehen und der Münchner Rundfunkorchester-Saal. Wenige Hundert Meter weiter sendet die Süddeutsche Zeitung aus dem Pressequartier an der Hultschiner Straße (zwar formal Berg am Laim, aber das Verlagsleben spielt sich an der Sendlinger Straße und der Arnulfstraße ab). Pro/7Sat.1 sitzt in Unterföhring — aber die kreativen Köpfe pendeln über die Arnulfstraße.

Wirtschaftlich ist das Marsfeld die Logistik-Heimat der Stadt. Der Hauptbahnhof ist mit rund 350.000 Reisenden pro Tag der drittgrößte Bahnhof Deutschlands; der Neubau bis 2028 soll ihn unter die Top-Bahnhöfe Europas heben. Drei Finanzämter, das Landeskriminalamt Bayern und die Bayerische Bereitschaftspolizei sitzen am Marsfeld — der Westen der Maxvorstadt ist Münchens Verwaltungsknotenpunkt.

Kulturell hat das Marsfeld einen sehr eigenen Sound — robuster, weniger akademisch, dafür näher am Stadtleben. Im Augustiner-Keller trifft sich die Stadt; im Löwenbräukeller finden zwischen Hofbräuhaus-Tradition und Techno-Clubbing seit Jahren die spannendsten Cross-over-Veranstaltungen Münchens statt. Der Circus Krone ist ein Unikum: feste Manege, eigene Tiere, eigene Akrobaten, eine ganz eigene Welt mitten in der Stadt.

Silicon Maxvorstadt

Seit der ersten Hälfte der 2020er Jahre hat sich das Marsfeld zur deutschen Adresse von Apple, Google & Co. entwickelt. Was die Münchner halb stolz, halb besorgt das „Silicon Maxvorstadt" nennen, beginnt direkt hinter dem Löwenbräukeller und reicht bis in den Arnulfpark.

Apple hat zwischen Karlstraße, Marsstraße, Denisstraße, Arnulfstraße und Hackerbrücke sein European Silicon Design Center aufgebaut — Zentrum ist das Bürogebäude „Karl" an der Karlstraße mit 30.000 m² Fläche. Über 2.000 Apple-Ingenieurinnen und -Ingenieure arbeiten in München an Chip-Architektur, Modemtechnik und KI. Apple investiert bis Anfang der 2030er rund eine weitere Milliarde Euro in den Standort.

Google baut die historische Arnulfpost (Erika-Mann-Straße 33 im Arnulfpark) zum neuen Google Campus München aus — rund 30.000 m² Büro für 1.500 zusätzliche Stellen, der ikonische Postpalast-Rundbau wird zum Eventraum. Bis dato saßen bereits rund 1.200 Google-Beschäftigte in München, schwerpunktmäßig in Sicherheit und Cloud.

Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp, Reality Labs) ergänzt diese Welle — sein deutsches Büro liegt allerdings nicht im Marsfeld, sondern an der Balanstraße in Haidhausen, eröffnet im Oktober 2023, mit Fokus auf KI und immersive Technologien.

Querverweise

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