„Hauptstadt
der Bewegung"
1923–1945: Die Maxvorstadt war Ausgangspunkt, Verwaltungssitz und Aufmarschplatz des Nationalsozialismus. Eine Karte der Orte, an denen sich diese Geschichte konkret abspielte — und an denen sie heute aufgearbeitet wird.
München, „Hauptstadt der Bewegung"
Bereits im November 1923 begann hier der NS-Aufstieg: Der gescheiterte Hitler-Putsch endete an der Feldherrnhalle wenige Meter östlich der Briennerstraße. Aus dieser Niederlage machte die Bewegung später ihren Gründungsmythos. 1933 — kaum an der Macht — ließ Hitler die Symbolgeographie konsequent ausbauen. Der Königsplatz wurde zum zentralen Weiheort: 20.000 Granitplatten, bezogen aus allen Regionen des Reichs, pflasterten den Platz, an dessen Ostseite zwei „Ehrentempel" die Putschisten von 1923 als „Märtyrer der Bewegung" inszenierten. Westlich davon stand Klenzes Glyptothek — der NS instrumentalisierte das klassizistische Ensemble für seine pseudo-antike Selbstüberhöhung.
Auf der Nordseite des Platzes errichtete der Architekt Paul Ludwig Troost 1933–1937 zwei monumentale, fast spiegelgleiche Bauten: den Führerbau (heute Hochschule für Musik und Theater) und den Verwaltungsbau der NSDAP (heute Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Staatliche Antikensammlungen-Magazin). Im Führerbau unterzeichnete Hitler 1938 das Münchner Abkommen. Beide Bauten stehen heute noch — als steingewordene Erinnerung an eine Zeit, in der die Maxvorstadt nicht Kunststadt, sondern Befehlsstadt war.
Wenige hundert Meter östlich, in der Briennerstraße 45 (Karolinenplatz), lag das Braune Haus — Parteizentrale seit 1931, im Krieg zerstört. An seiner Stelle steht seit 2015 das NS-Dokumentationszentrum: ein bewusst kühler, weißer Kubus von Georg Scheel Wetzel, der nicht imitiert, sondern aufklärt. Ringsum: Stolpersteine, Bodentafeln, Hinweisschilder. Die Maxvorstadt ist heute der vielleicht dichteste Erinnerungsort Münchens.
Und wenige Schritte weiter, in der Barer Straße 19 direkt am Karolinenplatz, sitzt seit 2011 das Generalkonsulat des Staates Israel — das einzige in Deutschland. Diese Nachbarschaft ist kein Zufall: Wo einst die NSDAP regierte, arbeitet heute auf wenigen hundert Quadratmetern die institutionelle Antwort der Bundesrepublik auf den Nationalsozialismus — Aufklärung und diplomatische Beziehung zum Staat Israel. Ein Kreis, der sich an dieser Adresse mit voller Wucht schließt.
Neun Orte,
eine Geographie
der Erinnerung.
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Neun Orte —
von der Diktatur
zur Aufarbeitung.
Wir musstenThomas Mann · Tonhalle, November 1926
es erleben, dass
München als
Hort der Reaktion
verschrien war.
Sieben Jahre vor 1933 hörte Mann das Klima kippen — und sagte es öffentlich. „Die eigentlich dumme Stadt" nannte er München damals. Sieben Jahre später war er im Exil.
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Diese Seite zeigt die Täter- und Regime-Topografie. Die Opfer- und Gemeindeperspektive — Pringsheim-Palais, Bernheimer, die Hauptsynagoge Herzog-Max-Straße, Erinnerungszeichen, Generalkonsulat Israels — findet sich auf der eigenen Seite zur Jüdischen Maxvorstadt. Vor Ort lohnen sich außerdem das NS-Dokumentationszentrum, das Bayerische Hauptstaatsarchiv und die Forschungsgruppen am Zentralinstitut für Kunstgeschichte (im ehemaligen Verwaltungsbau).