Geschichte / NS-Zeit

„Haupt­stadt
der Bewegung"

1923–1945: Die Maxvorstadt war Ausgangspunkt, Verwaltungssitz und Aufmarschplatz des Nationalsozialismus. Eine Karte der Orte, an denen sich diese Geschichte konkret abspielte — und an denen sie heute aufgearbeitet wird.

1933 Königsplatz wird NS-Aufmarschplatz
20.000 Granitplatten · Königsplatz
1947 Sprengung der Ehrentempel
2015 Eröffnung NS-Dokumentationszentrum

München, „Hauptstadt der Bewegung"

Bereits im November 1923 begann hier der NS-Aufstieg: Der gescheiterte Hitler-Putsch endete an der Feldherrnhalle wenige Meter östlich der Briennerstraße. Aus dieser Niederlage machte die Bewegung später ihren Gründungsmythos. 1933 — kaum an der Macht — ließ Hitler die Symbolgeographie konsequent ausbauen. Der Königsplatz wurde zum zentralen Weiheort: 20.000 Granitplatten, bezogen aus allen Regionen des Reichs, pflasterten den Platz, an dessen Ostseite zwei „Ehrentempel" die Putschisten von 1923 als „Märtyrer der Bewegung" inszenierten. Westlich davon stand Klenzes Glyptothek — der NS instrumentalisierte das klassizistische Ensemble für seine pseudo-antike Selbstüberhöhung.

Auf der Nordseite des Platzes errichtete der Architekt Paul Ludwig Troost 1933–1937 zwei monumentale, fast spiegelgleiche Bauten: den Führerbau (heute Hochschule für Musik und Theater) und den Verwaltungsbau der NSDAP (heute Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Staatliche Antikensammlungen-Magazin). Im Führerbau unterzeichnete Hitler 1938 das Münchner Abkommen. Beide Bauten stehen heute noch — als steingewordene Erinnerung an eine Zeit, in der die Maxvorstadt nicht Kunststadt, sondern Befehlsstadt war.

Wenige hundert Meter östlich, in der Briennerstraße 45 (Karolinenplatz), lag das Braune Haus — Parteizentrale seit 1931, im Krieg zerstört. An seiner Stelle steht seit 2015 das NS-Dokumentationszentrum: ein bewusst kühler, weißer Kubus von Georg Scheel Wetzel, der nicht imitiert, sondern aufklärt. Ringsum: Stolpersteine, Bodentafeln, Hinweisschilder. Die Maxvorstadt ist heute der vielleicht dichteste Erinnerungsort Münchens.

Und wenige Schritte weiter, in der Barer Straße 19 direkt am Karolinenplatz, sitzt seit 2011 das Generalkonsulat des Staates Israel — das einzige in Deutschland. Diese Nachbarschaft ist kein Zufall: Wo einst die NSDAP regierte, arbeitet heute auf wenigen hundert Quadratmetern die institutionelle Antwort der Bundesrepublik auf den Nationalsozialismus — Aufklärung und diplomatische Beziehung zum Staat Israel. Ein Kreis, der sich an dieser Adresse mit voller Wucht schließt.

Interaktive Karte

Neun Orte,
eine Geographie
der Erinnerung.

Klicken Sie auf die roten Punkte oder die Liste darunter — jeder Ort hat seine eigene Detailseite mit Damals und Heute, Quellen und Literatur.

SCHELLINGSTR. THERESIENSTR. GABELSBERGERSTR. BRIENNER STR. LUISENSTR. ARCISSTR. BARER STR. TÜRKENSTR. LUDWIGSTR. KÖNIGSPLATZ KAROLINEN­PLATZ 1 2 3 4 5 9 6 7 8 N
NS-Schauplatz · klickbar Hover Schematisch · nicht maßstabsgetreu
NS-Dokumentationszentrum München: der weiße Kubus von Georg Scheel Wetzel, gerahmt von kahlen Baumstämmen, in winterlichem Schwarzweiß.
NS-Dokumentationszentrum Georg Scheel Wetzel · 2015 · Brienner Str. 34
Wir mussten
es erleben, dass
München als
Hort der Reaktion
verschrien war.
Thomas Mann · Tonhalle, November 1926

Sieben Jahre vor 1933 hörte Mann das Klima kippen — und sagte es öffentlich. „Die eigentlich dumme Stadt" nannte er München damals. Sieben Jahre später war er im Exil.

Weiterführend

Wo weiter­lesen

Diese Seite zeigt die Täter- und Regime-Topografie. Die Opfer- und Gemeindeperspektive — Pringsheim-Palais, Bernheimer, die Hauptsynagoge Herzog-Max-Straße, Erinnerungszeichen, Generalkonsulat Israels — findet sich auf der eigenen Seite zur Jüdischen Maxvorstadt. Vor Ort lohnen sich außerdem das NS-Dokumentationszentrum, das Bayerische Hauptstaatsarchiv und die Forschungsgruppen am Zentralinstitut für Kunstgeschichte (im ehemaligen Verwaltungsbau).

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