Kaulbachvilla
Eine prunkvolle Künstlervilla, 1887–1889 von Gabriel von Seidl für den Malerfürsten Friedrich August von Kaulbach erbaut. Von 1937 bis 1945 residierte hier NSDAP-Gauleiter Adolf Wagner; heute beherbergt sie das Historische Kolleg.
Eine italienische Gartenvilla für einen Malerfürsten
Die Kaulbachvilla an der Kaulbachstraße 15 entstand 1887–1889 nach Plänen von Gabriel von Seidl — demselben Architekten, der wenig später das benachbarte Lenbachhaus baute. Seidl orientierte sich an der Renaissance und am Vorbild der römischen villa suburbana und schuf eine auf Repräsentation angelegte Künstlervilla für den Maler Friedrich August von Kaulbach, einen der gefeierten „Malerfürsten" des Münchner Fin de Siècle. Im ersten Stock lag Kaulbachs Atelier. Stilistisch gehört der Bau in dieselbe historistische Epoche wie die übrigen Villen und Repräsentationsbauten der späten Prinzregentenzeit.
1937: Amtssitz des Gauleiters Adolf Wagner
Als der ursprüngliche Dienstsitz an der Von-der-Tann-Straße abgerissen wurde, suchte die NSDAP ein neues, repräsentatives Gebäude für ihren Gauleiter — und wurde in der Kaulbachvilla fündig. 1937 zog Adolf Wagner ein, bayerischer Innenminister und zugleich NSDAP-Gauleiter für München und Oberbayern. Sein Büro richtete er ausgerechnet im ersten Stock ein, dort, wo zuvor Kaulbachs Atelier gewesen war.
Von hier aus stellte Wagner Weichen für die Enteignung der jüdischen Bevölkerung und für die antisemitischen Ausstellungen im Haus der Deutschen Kunst. NS-Größen wie Hermann Göring, Joseph Goebbels und Martin Bormann gingen in der Villa ein und aus. Wagner galt als enger Vertrauter Hitlers — einer der wenigen, die ihn duzen durften — und nutzte diese Stellung schamlos für sich. Er bewohnte die Villa, bis ihn 1942 ein Schlaganfall außer Gefecht setzte.
Die Kaulbachvilla gehört damit zum Geflecht der NSDAP-Schauplätze in der Maxvorstadt rund um das „Parteiviertel" am Königsplatz — abseits der großen Aufmarschflächen, aber als persönlicher Machtsitz eines der einflussreichsten Funktionäre vor Ort.
Nach 1945: vom Soldatensender zum Historischen Kolleg
Nach dem Krieg zog zunächst ein amerikanischer Soldatensender in das Gebäude. Seit 1988 beherbergt es das Historische Kolleg, eine Förder- und Forschungseinrichtung, die zugleich die Geschichte des Hauses aufarbeitet. In Wagners ehemaligem Büro finden heute Tagungen und Vorträge statt — ein bewusster Kontrast: Wo einst Unrecht organisiert wurde, soll nun offener wissenschaftlicher Diskurs stattfinden.
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