Zwischen Arcisstraße, Brienner Straße und St.-Jakobs-Platz lässt sich Münchens jüdische Geschichte als Stadttopografie lesen. Dieser Rundgang macht drei Zeitebenen sichtbar: das selbstverständliche jüdische Leben vor 1933, seine systematische Auslöschung — und die Rückkehr jüdischen Lebens in die Mitte der Stadt seit 2006. Die Synagogen lagen am südlichen Rand der Maxvorstadt; die Stationen 9 und 10 bilden eine optionale Verlängerung in die Altstadt.
Die Route- 01 · Bernheimer-Haus
- 02 · Galerie Heinemann
- 03 · Palais Pringsheim / Führerbau
- 04 · Salon Bruckmann
- 05 · Karolinenplatz — Israel & Yad Vashem
- 06 · NS-Dokumentationszentrum
- 07 · Wohnung Lion Feuchtwanger
- 08 · LMU — Lehrstuhl Jüdische Geschichte
- 09 · Gedenkstein Alte Hauptsynagoge
- 10 · Jüdisches Zentrum am St.-Jakobs-Platz
Hinweis zu Apple Karten: Jede Station öffnet als eigener Stecknadel-Punkt in der App „Karten". Apple Karten kann pro Link nur ein Ziel anzeigen; für die Navigation in „Karten" auf „Route" tippen und das Gehsymbol wählen. Die Stationen sind in sinnvoller Laufreihenfolge nummeriert.
Schritt für Schritt.
-
01
Bernheimer-Haus
Lenbachplatz 3, 80333 München
1864 gegründet, ab 1887 in dem nach ihm benannten Haus — L. Bernheimer war eines der renommiertesten Häuser Europas für Antiquitäten und Wohnungsausstattung. Otto Bernheimer und seine Söhne wurden in der Pogromnacht 1938 nach Dachau verschleppt, das Geschäft »arisiert«. Otto Bernheimer kehrte 1945 zurück und baute das Haus wieder auf.
-
02
Galerie Heinemann
Lenbachplatz 5/6, 80333 München
Gegründet 1872 von David Heinemann, bis 1938 eine der bedeutendsten Adressen für Malerei des 19. Jahrhunderts. Der Neubau von 1904 wurde 1938 »arisiert«; die Bestände sind bis heute Gegenstand intensiver Provenienzforschung.
-
03
Palais Pringsheim / Führerbau
Arcisstraße 12, 80333 München
Im Palais an der Arcisstraße 12 führten Alfred und Hedwig Pringsheim ab 1890 einen der bedeutendsten Salons der Stadt; Tochter Katia heiratete 1905 Thomas Mann. 1933 wurde der 83-jährige Pringsheim zum Verkauf gedrängt, das Palais abgerissen. An seiner Stelle errichtete Paul Ludwig Troost den Führerbau — heute Hochschule für Musik und Theater, weiterhin Arcisstraße 12.
-
04
Salon Bruckmann
Karolinenplatz 5, 80333 München
Der Verlegersalon Hugo und Elsa Bruckmanns am Karolinenplatz — ein Ort, an dem sich bürgerliche Kultur und früher Nationalsozialismus berührten. Die doppelte Überschreibung der Stadtschicht wird hier greifbar.
-
05
Karolinenplatz — Israel & Yad Vashem
Karolinenplatz, 80333 München
Das Generalkonsulat des Staates Israel — das einzige Israels in Europa — residiert seit 2011 am Karolinenplatz, mitten im ehemaligen NSDAP-Parteiviertel. Am 28. Mai 2026 fiel die Entscheidung, hier auch das erste Yad-Vashem-Bildungszentrum außerhalb Israels anzusiedeln. Eine bewusst gewählte symbolische Topografie.
-
06
NS-Dokumentationszentrum
Brienner Straße 34 / Max-Mannheimer-Platz 1, 80333 München
Auf dem Grundstück des »Braunen Hauses« — zuvor das jüdische Barlow-Palais — eröffnete 2015 das NS-Dokumentationszentrum. Der weiße Kubus dokumentiert »München und der Nationalsozialismus« und markiert die Leerstelle, die das Parteiviertel hinterließ.
-
07
Wohnung Lion Feuchtwanger
Georgenstraße 24, 80799 München
Von 1918 bis 1925 wohnte der Schriftsteller Lion Feuchtwanger hier im 3. Stock, an der Grenze zu Schwabing. Brecht und die Manns gingen ein und aus; hier entstanden erste Entwürfe zu »Jud Süß« und »Erfolg«. 1933 ausgebürgert, entzog ihm die LMU den Doktorgrad; er starb 1958 im kalifornischen Exil.
-
08
LMU — Lehrstuhl Jüdische Geschichte
Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München
An der Ludwig-Maximilians-Universität wurde 1997 der erste Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur in Deutschland eingerichtet. Er steht für das jüdische Profil der LMU, das bis 1933 prägend war und dann fast vollständig zerschlagen wurde.
-
09
Gedenkstein Alte Hauptsynagoge
Herzog-Max-Straße / Maxburgstraße, 80333 München
Optionale Verlängerung in die Altstadt: Die 1887 eingeweihte Hauptsynagoge mit über 1.000 Plätzen stand hier bis Juni 1938. Auf persönlichen Befehl Hitlers — fünf Monate vor der Pogromnacht — abgerissen; es war die erste von den Nationalsozialisten zerstörte Synagoge Deutschlands. Seit 1969 erinnert ein Gedenkstein von Herbert Peters.
-
10
Jüdisches Zentrum am St.-Jakobs-Platz
St.-Jakobs-Platz 16–18, 80331 München
Höhe- und Schlusspunkt: Am 9. November 2006 — dem 68. Jahrestag der Pogromnacht — wurde die neue Hauptsynagoge Ohel Jakob eingeweiht (Wandel Hoefer Lorch + Hirsch). Mit Gemeindezentrum der IKG und Jüdischem Museum bildet sie das dreigliedrige Jüdische Zentrum: jüdisches Leben sichtbar in der Mitte der Stadt.