Generalkonsulat
Israel
Eröffnet am 8. April 2011 durch Seehofer und Lieberman. Heute am Karolinenplatz im ehemaligen NSDAP-Parteiviertel, in Sichtweite des NS-Dokumentationszentrums. Einziges israelisches Generalkonsulat in der Europäischen Union. Anschlagsversuch 5. September 2024 — exakt 52 Jahre nach dem Olympia-Attentat.
Gründung und Umzüge
Am 8. April 2011 unterzeichnen der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und der israelische Außenminister Avigdor Lieberman die gemeinsame Erklärung zur Errichtung des Generalkonsulats. Die Arbeit wird im September 2011 in der Brienner Straße 19 aufgenommen, die formelle Eröffnungsfeier folgt am 3. Juli 2012. Erster Generalkonsul: Tibor Shalev-Schlosser.
Anfang 2014 entscheiden sich Freistaat Bayern (Eigentümer) und Staat Israel (Mieter) für den endgültigen Sitz: ein dreigeschossiger Bau im Hinterhof der ehemaligen Staatlichen Lotterieverwaltung am Karolinenplatz. Umbau für rund 8 Millionen Euro, getragen je zur Hälfte von Bayern und Israel. 10. November 2015: feierliche Einweihung in Anwesenheit der israelischen stellvertretenden Außenministerin Tzipi Hotovely. Im Treppenhaus sind bayerische und israelische Steine verbaut. Drei Diplomaten, rund 20 Beschäftigte, Referate für Presse, Innovation, Kultur, Bildung, Wirtschaft.
Seit September 2023 ist Talya Lador-Fresher Generalkonsulin. Sie ist das Gesicht des Konsulats nach innen und außen — auch nach dem Anschlag 2024.
Symbolik des Standorts
Die Lage am Karolinenplatz ist bewusst gewählt. Das Generalkonsulat sitzt mitten im ehemaligen NSDAP-Parteiviertel der 1930er-Jahre. In Sichtweite das NS-Dokumentationszentrum, wenige Schritte das ehemalige Braune Haus der NSDAP, in der Nachbarschaft Klenzes Königsplatz mit den Sockeln der Ehrentempel. Wo Anfang der 1930er-Jahre Hitler von der Brienner Straße aus Bayern regierte, arbeitet heute auf wenigen hundert Quadratmetern eine doppelte Antwort der Bundesrepublik: das NS-Dokumentationszentrum (Aufklärung) und das Generalkonsulat Israels (diplomatische Beziehung). Erinnerung und Gegenwart in einer Adresse.
Olympia-Attentat
Acht Mitglieder der palästinensischen Terrorgruppe „Schwarzer September" stürmen 4:35 Uhr morgens die Unterkunft der israelischen Mannschaft in der Connollystraße 31 im Olympischen Dorf. Sofort getötet werden Ringer-Trainer Mosche Weinberg und Gewichtheber Joseph Romano. Bei dem missglückten Befreiungsversuch in Fürstenfeldbruck sterben alle übrigen Geiseln — insgesamt 11 von 14 israelischen Olympiateilnehmern. Folge: Gründung der GSG 9.
Anschlagsversuch am Karolinenplatz
Genau 52 Jahre nach dem Olympia-Attentat: Ein 18-jähriger Österreicher (Emrah Ibrahimovic) eröffnet mit einem schweizerischen Karabiner 31 das Feuer vor dem Generalkonsulat. Versuch, mit dem Auto den Zaun zu durchbrechen, scheitert. Zwei Schüsse aufs Konsulat. Flucht in das Gebäude der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) nebenan. Schusswechsel mit fünf Polizeibeamten, Täter tödlich getroffen. Behörden: antisemitisch motivierter, antiisraelischer Terror.
Sicherheitsvorkehrungen
Das Konsulat steht unter permanenter 24/7-Bewachung durch die Münchner Polizei. Nach dem Anschlag 2024 wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft — versenkbare Poller, verstärkte Verglasung, Zugangskontrollen. Im März 2026 ein kleiner Vorfall: die ausgefahrenen Poller blockierten zwischenzeitlich einen polizeilichen Roboter, der einen verdächtigen Rucksack untersuchen sollte.
Brandanschlag Reichenbachstraße 1970
Die Sicherheitsgeschichte beginnt nicht erst 2024. Bereits am Abend des 13. Februar 1970, einem Sabbat, starben beim Brandanschlag auf das jüdische Altenheim oberhalb der Synagoge in der Reichenbachstraße sieben Menschen — alle hatten die NS-Zeit überlebt, zwei davon KZ. Der Anschlag blieb jahrzehntelang ungeklärt. Erst im Januar 2026 identifizierte die Münchner Generalstaatsanwaltschaft nach neuen Zeugenaussagen einen bereits 2020 verstorbenen Rechtsextremen als Tatverdächtigen und stufte die Tat als antisemitisch motivierten Massenmord ein.
Worte.
„Die Eröffnung des neuen Generalkonsulats des Staates Israel am Münchner Karolinenplatz ist ein historischer Augenblick."— Horst Seehofer · 10. November 2015
„Schüsse vor NS-Dokumentationszentrum und israelischem Konsulat in München."— Jüdische Allgemeine · 5. September 2024
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