Kunst
Drei Pinakotheken, eine Glyptothek, ein Brandhorst, ein Lenbachhaus — und der dichteste literarische und malerische Bohème-Schauplatz Deutschlands. Die Maxvorstadt ist nicht Kunststadt nebenher, sie ist es im Kern.
Zwei Bewegungen, ein Bezirk
Die Maxvorstadt trägt zwei kunstgeschichtliche Erzählungen, die sich auf wenigen Quadratkilometern verschränken. Die institutionelle Erzählung beginnt 1830 mit Klenzes Glyptothek, setzt sich 1836 mit der Alten Pinakothek fort, gewinnt im 19. Jahrhundert um die Neue Pinakothek und das Lenbachhaus an Tiefe, und kulminiert 2002 (Pinakothek der Moderne) und 2009 (Brandhorst) in der Gegenwart. Architektonisch ist sie ein Lehrbuch von Klassizismus bis Sauerbruch Hutton.
Die Bohème-Erzählung ist persönlicher und unordentlicher. Sie beginnt um 1900 in den Cafés der Türken- und Schellingstraße, mit Wedekind, Karl Valentin, Erich Mühsam, Ringelnatz und den 11 Scharfrichtern. 1906 zieht Kandinsky in die Ainmillerstraße, 1911 gründen sich „Der Blaue Reiter" um Münter, Marc, Macke, Klee. Thomas Mann verfasst „Gladius Dei" und schreibt den Satz, der seither über jeder Stadtteilbeschreibung schwebt: „München leuchtete."
Auf den beiden Unterseiten finden sich die Details: Museen für die institutionelle Seite, Boheme für die literarisch-malerische.
Institution
oder Bohème?
Pinakotheken, Glyptothek, Brandhorst, Lenbachhaus, NS-Doku, Ägyptisches Museum — 13 Häuser, von Klenze bis Sauerbruch Hutton.
Boheme
Mann, Kandinsky, Klee, Wedekind, Mühsam, Ringelnatz — die literarisch-malerische Maxvorstadt um 1900 und der Blaue Reiter.
MünchenThomas Mann · Gladius Dei, 1902
leuchtete
Mann beschreibt darin das Leben in der Maxvorstadt — dem pulsierenden Nabel der Boheme und Zentrum von Ludwigs I. Griechenlandkult.