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Salon Bruck­mann

Karolinenplatz 5: Im zweiten Stock des Prinz-Georg-Palais führten Hugo und Elsa Bruckmann einen der angesehensten literarischen Salons Münchens — und machten den jungen Hitler ab 1924 in der besseren Gesellschaft salonfähig. Liedtke nennt den Ort eine „Brutstätte des Nationalsozialismus“. Heute Sitz des Sparkassenverbandes Bayern.

seit 1899 · erster Salonab 1908 · Karolinenplatz 51921 · erste Begegnung1929 · Bürgschaft für Hitlerheute · Sparkassenverband Bayern

Ein bürgerlicher Salon

Der Verleger Hugo Bruckmann und seine Frau Elsa Bruckmann führten ihren Salon seit 1899 in der Maxvorstadt — zunächst in der Nymphenburger Straße 86, ab 1908 in der repräsentativen Wohnung im zweiten Stock des ehemaligen Prinz-Georg-Palais am Karolinenplatz 5. Er entwickelte sich zu einem der beliebtesten gesellschaftlichen Treffpunkte der Stadt, an dem sich „tout“ München und auswärtige Prominenz traf.

Das verlegerische Interesse der Bruckmanns für esoterische, mystische und völkische Strömungen der Jahrhundertwende prägte auch den Salon: Antimoderne Denker wie Houston Stewart Chamberlain, Ludwig Klages oder Alfred Schuler gingen hier ein und aus, daneben aber auch für die Republik votierende Liberale wie Harry Graf Kessler oder der Romanist Karl Vossler. Als gesellschaftlicher Mittelpunkt zogen die Abende Geistesgrößen wie Oswald Spengler, Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal und Stefan George an.

Elsa Bruckmann und Hitler

Als die Bruckmanns den jungen Adolf Hitler 1921 bei einer Parteiveranstaltung im Circus Krone hörten, waren sie hingerissen von dem „begnadeten Redner“. Vor allem Elsa Bruckmann suchte fortan seine Nähe: Sie besuchte ihn nach dem gescheiterten Putsch mehrfach in der Landsberger Festungshaft und lud ihn unmittelbar nach seiner vorzeitigen Entlassung am 23. Dezember 1924 in ihren Salon am Karolinenplatz ein.

In den folgenden Jahren wurde sie zu Hitlers wichtigster Förderin: Sie brachte ihm Manieren und Tischsitten bei, kleidete ihn modisch ein und machte ihn für die feine Münchner Gesellschaft salonfähig. Sie stellte ihn Industriellen und Bildungsbürgern vor — darunter die Klavierfabrikantengattin Helene Bechstein und Richard Wagners Witwe Cosima — und bot ihm trotz seines Redeverbots eine Plattform zur Agitation. Zu den Gästen zählten auch spätere NS-Größen wie Alfred Rosenberg, Baldur von Schirach und Rudolf Heß.

Die Bruckmanns gehörten zu den ersten finanziellen Förderern Hitlers und der NSDAP. Dank einer Bürgschaft Hugo Bruckmanns konnte Hitler 1929 sein möbliertes Zimmer in der Thierschstraße 41 verlassen und in die repräsentative Neun-Zimmer-Wohnung am Prinzregentenplatz ziehen, bei deren Einrichtung ihm Elsa Bruckmann half.

Deutung und Nachleben

Die Forschung sieht den Salon Bruckmann als „prototypische Verkörperung des bürgerlichen Salons“, der gerade kein geschlossener Zirkel war, sondern von offenen Diskursen lebte — und in dem sich die widersprüchlichen Strömungen des intellektuellen München kreuzten. Eben dieses Renommee verlieh der politischen Förderung Hitlers durch die Gastgeber ihre Wirkung. Rüdiger Liedtke fasst den Ort drastisch als „Brutstätte des Nationalsozialismus“.

Das ehemalige Prinz-Georg-Palais am Karolinenplatz 5 steht noch; heute ist es Sitz des Sparkassenverbandes Bayern. Eine Tafel am Karolinenplatz ordnet die Adresse in das NS-Parteiviertel der Maxvorstadt ein.

Zitate

Worte.

„Die luxuriöse Wohnung … der literarische Salon des Münchner Verlegerehepaars Hugo und Elsa Bruckmann galt schon seit Jahren als ein gesellschaftlicher Mittelpunkt der Stadt.“— Rüdiger Liedtke · 111 Orte … Nazi-Zeit
„Der Salon Bruckmann kann als prototypische Verkörperung des bürgerlichen Salons gelten, der … von freien und offenen Diskursen geprägt war.“— Katharina Schröder · Topographie und Erinnerung, 2017
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