Schelling-
Salon
Wiener Café-Restaurant seit 1872, vier Generationen Familie Mehr, ab 2026 neuer Pächter Klingele. Lenin koordinierte hier 1900–1902 die Verteilung der Iskra. Hitlers frühes Stammlokal — bis ihn Zechschulden rauswarfen.
Familie Mehr — 1872 bis 2025
Der Schelling-Salon wird 1872 von Silvester und Fridoline Mehr begründet — zunächst als „Herrmann's Salon" erworben, später als bürgerliche Gastwirtschaft. Das heutige Gebäude entsteht 1898 durch die Brüder Grübel. Engelbert Mehr richtet den Salon ab 1911 als Wiener Café-Restaurant ein, vier Generationen führen ihn bis 2025. Evelin Mehr gibt zum Jahresende 2025 ab.
Ab 1. Januar 2026 übernimmt das Trio Christoph Klingele mit seinen Kindern Anna-Sophia und Leander den Schelling-Salon — sie führen bereits das Café Puck in der Türkenstraße. Das Gebäude bleibt im Familienbesitz Mehr. Konzept: so viel Original-Schelling-Salon wie möglich erhalten, neu nur die Kartenzahlung.
Stammgäste — Lenin, Brecht, Rilke, Hitler
Wladimir Iljitsch Lenin lebte 1900–1902 in München und koordinierte vom Schelling-Salon aus die geheime Verteilung der bolschewistischen Zeitung „Iskra". Über die Jahrzehnte kamen Rainer Maria Rilke, Bertolt Brecht, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Franz Marc, Henrik Ibsen, Ödön von Horváth, Joachim Ringelnatz, Hans Carossa, August Heisenberg, der spätere Bundespräsident Theodor Heuss und Franz Josef Strauß. Auch Münchner Volkssänger und Schauspieler waren regelmäßig zu Gast.
Hausverbot wegen Zechschulden
In den 1920er Jahren, in Hitlers Münchner Phase nach dem gescheiterten Putschversuch 1923, ist der Schelling-Salon ein Treffpunkt für ihn und sein politisches Umfeld. Mehrere Quellen — Wikipedia, der Schelling-Salon selbst, lokale Reiseführer — berichten konsistent: Hitler wurde aus dem Schelling-Salon wegen unbezahlter Rechnungen hinauskomplimentiert. Daraufhin wechselte er in die wenige Häuser weiter gelegene Osteria Bavaria (Schellingstraße 62), die zu seinem späten Stammlokal werden sollte.
Das exakte Datum des Vorfalls ist nicht überliefert — die Anekdote ist konsistent, die Aktenlage dünn. Eine offizielle Hinweistafel zur Hitler-Episode hat der Salon nie angebracht; die Geschichte wird im hauseigenen „Schelling-Salon Museum" aber thematisiert.
Heute — Studentenkneipe, Billard, Wiener Schnitzel
Der Schelling-Salon ist eine der lebendigsten und unverstelltesten Lokal-Institutionen der Maxvorstadt. Schnitzel Wiener Art als Klassiker, bayerische und Wiener Küche, im Keller Billardtische und Tischtennistische — eine seit Jahrzehnten gepflegte Tradition. Bewertungen liest man oft mit historischem Beiklang („Adolph Hitler and Eva Braun's Old Haunt" — Tripadvisor-Schlagzeile), das Lokal selbst aber bleibt ostentativ Münchner Boazn.
Worte.
„wichtiger Treffpunkt verschiedener sozialer Schichten, wo die Welt der Handwerker und kleinen Angestellten sich mit der von Bohemiens und gescheiterten Existenzen kreuzte"— München-Reiseführer
„Adolph Hitler and Eva Braun's Old Haunt"— Tripadvisor · Review-Schlagzeile
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