Osteria
1890 als Osteria Bavaria eröffnet, ältestes italienisches Restaurant Deutschlands. Hitlers Münchner Stammlokal nach dem Hausverbot im Schelling-Salon. Nach 1945 umbenannt in Osteria Italiana — heute geführt von Sommavilla und De Stefano.
Italienische Wurzeln in der Schellingstraße
Am 23. Mai 1890 eröffnet Josef Deutelmoser in der Schellingstraße 62 die Osteria Bavaria — als italophiler Münchner Gastronom wollte er die Verbindung Italiens mit München gastronomisch ausdrücken. Architekt Johann Lihm hatte das Haus 1889/90 errichtet: dreigeschossig, Neorenaissance-Stuckfassade mit Eckerker, durch Gesimse getrennte Obergeschosse — heute denkmalgeschützt.
Die Familie Deutelmoser führt den Betrieb bis nach dem Zweiten Weltkrieg in alter Tradition. Clotilde Salvatori übernimmt nach 1945 und benennt das Restaurant in Osteria Italiana um. Seit 1998 sind Egidio Sommavilla und Prisco De Stefano die heutigen Wirte. Das Haus gilt — Selbstaussage und konsistente Sekundärquellen — als das älteste italienische Restaurant Deutschlands.
Innen weitgehend erhalten
Holzvertäfelte Wände, dunkle Kassettendecken, ein Nebenraum als säulengetragene italienische Loggia. Wandmalereien von Carl Wuttke mit Illusionsblick auf den Golf von Neapel; Deckenmalerei mit Motiven aus griechisch-römischer Mythologie und mediterranen Landschaften. Die Wirte selbst beschreiben den Charakter so: „The character of the old wine bar with its wood-panelled walls and dark coffered ceilings has not been changed."
Hitlers Stammlokal
Nach Hitlers Hausverbot im benachbarten Schelling-Salon wegen unbezahlter Rechnungen wechselt er in die Osteria Bavaria. Sie wird sein Münchner Stammlokal — Albert Speer bezeugt das in seinen Erinnerungen. In den späten 1920er- und 1930er-Jahren erscheint Hitler zunehmend mit Anhängern und unterhält dort einen Stammtisch. Auch nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 bleibt die Osteria ein beliebter Treffpunkt der Nationalsozialisten.
Häufiger Begleiter Hitlers: Heinrich Hoffmann, sein Leibfotograf — sein lautes Lachen ist in mehreren zeitgenössischen Beschreibungen festgehalten. Eva Braun lernte Hoffmann in dessen Fotostudio in der Schellingstraße 50 (später Amalienstraße 25) kennen — die Osteria lag fußläufig zum Studio. Hitler lud sie nach erstem Kennenlernen häufig dorthin ein. 1935 lernte Hitler dort auch die britische NS-Anhängerin Unity Mitford kennen.
Der Schriftsteller Oskar Maria Graf, der sich dort regelmäßig mit Redakteuren des „Simplicissimus" traf, schilderte den unangenehmen Eindruck, den Hitler und sein Gefolge im Nebenraum machten — die Simplicissimus-Runde verlegte daraufhin ihren Treffpunkt. Pikant: Hitler skizzierte auf der Rückseite einer Osteria-Speisekarte erste Entwürfe für das spätere „Haus der Deutschen Kunst".
Heute — und der Umgang mit der Geschichte
Die Osteria Italiana besteht 2026 unverändert in der Schellingstraße 62. Klassische italienische Küche — Pasta, Fleisch, Fisch — Innenhof, im Inneren die historisch erhaltene Ausstattung. Eine offizielle Hinweistafel zur NS-Vergangenheit gibt es nicht. Der heutige Wirt soll sich laut Tripadvisor-Berichten geweigert haben, Hitlers Tisch durch eine Gedenktafel zu ersetzen. Das Marketing setzt auf das italienische Edelrestaurant von 1890 mit Deckenmalerei — die Geschichte wird zurückhaltend gehandhabt, ein offensives Hingucken auf die NS-Vergangenheit findet im Hausgespräch eher nicht statt.
Worte.
„Auch nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 blieb die Osteria ein beliebter Treffpunkt der Nationalsozialisten."— Wikipedia · Osteria Italiana
„Italian restaurant since 1890 — the finest Italian restaurant in Germany."— osteria.de · Eigendarstellung
Zurück zur
Karte aller
neun Orte.
Königsplatz, Ehrentempel, Führerbau, Verwaltungsbau, NS-Doku, Schelling-Salon, Osteria, Prinz-Carl-Palais, Generalkonsulat.