Geschichte / NS-Zeit / Prinz-Carl-Palais

Prinz-Carl-
Palais

Karl von Fischer baut das Palais 1804–1806 für den Salabert-Erzieher Max I. Josephs. 1825 schenkt Ludwig I. es seinem Bruder Prinz Carl. 1933 Sitz von NS-Reichsstatthalter Epp (kurz). 1937 wird es für Mussolinis Staatsbesuch umgebaut. Heute repräsentativer Sitz des Bayerischen Ministerpräsidenten.

1804–1806 · Karl von Fischer14. Nov 1825 · Schenkung an Prinz Carl1876–1919 · Österr.-ungar. Gesandtschaft12. April 1933 · Reichsstatthalter Epp1937 · Mussolini-Umbauseit 1968 · Bayerischer Ministerpräsident

Bauherr Salabert, Architekt Karl von Fischer

Der lothringische Abbé Pierre de Salabert, Erzieher von Kurfürst Max IV. Joseph (späterer König Max I. Joseph), erwirbt zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgedehnte Grundstücke im Bereich der ehemaligen Stadtbefestigung. Den Bauauftrag für sein Palais — ursprünglich Palais Salabert — vergibt er im März 1803 an den 21-jährigen Karl von Fischer (1782–1820). Bauzeit 1804–1806. Stil: früher Klassizismus, Gartenvilla nach dem Vorbild der Renaissance-Villen Palladios; Rustica-Sockel, geschossübergreifende Kolossalpilaster, vorgezogener Mittelrisalit mit zwei ionischen Säulen. Der Bau begründet Fischers Ruf als einer der führenden Münchner Klassizisten.

Vom Salabert- zum Prinz-Carl-Palais

Am 14. November 1825 — kurz nach seiner Thronbesteigung — überträgt König Ludwig I. das Palais seinem Bruder Prinz Carl von Bayern (1795–1875), Generalfeldmarschall und Kommandierender General der bayerischen Armee. Vom Bruder des Königs trägt das Palais seither seinen Namen. Prinz Carl lässt es durch Jean-Baptiste Métivier beträchtlich erweitern. Bewohner-Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Von 1876 bis 1919 ist es Sitz der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft, ab 1925 Amtssitz des bayerischen Ministerpräsidenten.

Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp

Am 12. April 1933 wird Franz Xaver Ritter von Epp (1868–1947), ehemaliger Freikorps-Führer und NSDAP-Funktionär, durch Reichspräsident Hindenburg zum Reichsstatthalter in Bayern ernannt — als erster Reichsstatthalter überhaupt nach dem Gleichschaltungsgesetz. Sein Amt vereint Schnittstelle Reich/Länder: Ernennung und Entlassung des Ministerpräsidenten, Auflösungsrecht für den Landtag, Erlass und Verkündung von Landesgesetzen, Begnadigungsrecht.

Epp residiert zunächst im Prinz-Carl-Palais. Aber nur für wenige Monate: Bereits Anfang August 1933 zieht er in das Gebäude der ehemaligen preußischen Gesandtschaft in der Prinzregentenstraße 7 um. Das Prinz-Carl-Palais bleibt damit bis 1937 unter wechselnder NS-Nutzung, ohne dauerhaft das Reichsstatthalter-Amt zu beherbergen.

1937 — Umbau für Mussolini

Anlass des großen Umbaus 1937 ist der bevorstehende Staatsbesuch von Benito Mussolini in München. Architekt Fritz Gablonsky baut das Palais zum repräsentativen Gästehaus um: erhebliche Erweiterung nach Westen, Abriss des Nordflügels (wegen gleichzeitiger Verbreiterung der Von-der-Tann-Straße), Neubau des Nordflügels nach Vorbild des Südflügels, Verdoppelung des Bauvolumens, Schließung der bisherigen Ost-West-Durchfahrt zugunsten einer zentralen Treppenanlage in der Gebäudemitte. Der Bombenkrieg trifft das Palais nur in geringem Maß; nach 1945 dient es zunächst der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, ab 1968 als Amtssitz des Bayerischen Ministerpräsidenten — ausschließlich für Repräsentationszwecke, nicht als Wohnsitz.

Heute: Bayerische Staatskanzlei

1971–1975 wird das Palais durch das Landbauamt München unter Leitung von Hans Heid für rund 87 Millionen DM restauriert und renoviert. Heute wird es von der Bayerischen Staatskanzlei für Empfänge, Staatsgäste und offizielle Anlässe genutzt; das Palais ist nicht öffentlich zugänglich. Eine spezifische Hinweistafel zur Epp-Nutzung 1933 ist am Gebäude nicht angebracht — die Information ist über das Historische Lexikon Bayerns und Wikipedia öffentlich.

Zitate

Worte.

„Karl von Fischer, der als 22-Jähriger durch diesen Auftrag zu einem der führenden Architekten Münchens wurde."— Historisches Lexikon Bayerns
„1937 wurde es anlässlich eines bevorstehenden Besuches von Benito Mussolini durch Fritz Gablonsky aufwändig zum Gästehaus umgebaut."— Wikipedia · Prinz-Carl-Palais
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