Verwaltungsbau
Spiegelbau zum Führerbau, errichtet 1933–1937 von Paul Ludwig Troost. Sitz der Reichsleitung der NSDAP mit Schatzmeister, Stellvertreter des Führers, zentraler Mitgliederkartei. Seit 1948 Zentralinstitut für Kunstgeschichte — Provenienzforschung am Tatort.
Architektur und Lage
Der Verwaltungsbau der NSDAP entsteht parallel zum Führerbau 1933–1937, nach Plänen von Paul Ludwig Troost, ausgeführt nach dessen Tod 1934 vom Atelier Troost (Gerdy Troost, Leonhard Gall). Er ist äußerlich identisch zum Führerbau und steht ihm südlich spiegelbildlich gegenüber. Gemeinsame Einweihung am 25. September 1937 anlässlich Mussolinis Staatsbesuch. Material: Muschelkalk-Verkleidung über Stahl-/Stahlbetonkonstruktion, klassizistisch gegliederte Fassaden, monumentaler Pfeilerportikus.
Innen gruppieren sich die Büros der NSDAP-Verwaltung auf drei Stockwerken um zwei verglaste Lichthöfe. Im Zentrum des Gebäudes erstreckt sich eine dreigeschossige Bibliothek. Die Adresse hat im Lauf der Zeit gewechselt — heute lautet sie Katharina-von-Bora-Straße 10, davor Meiserstraße 10, ursprünglich Arcisstraße 10.
Reichsleitung der NSDAP
Im Verwaltungsbau saßen die Zentraldienststellen der NSDAP:
- Reichsschatzmeister Franz Xaver Schwarz (1875–1947), verantwortlich für die gesamten Parteifinanzen, das Vermögen der NSDAP und das Mitgliederwesen — von 1925 bis 1945.
- Reichsorganisationsleiter (zeitweise Robert Ley) — Steuerung der Parteiapparate, Schulungen, Mitgliederwesen.
- Dienststelle des Stellvertreters des Führers — zunächst Rudolf Heß, später Martin Bormann mit der Parteikanzlei.
- Zentrale Mitgliederkartei der NSDAP mit bei Höchststand 1939 rund 8 Millionen Karteikarten, bei Kriegsende rund 11 Millionen Einträgen. Heute im Bundesarchiv.
Bis zu 600 Mitarbeitende sollen im Verwaltungsbau tätig gewesen sein. Der Bau war Schaltzentrale der NSDAP — die Parteibürokratie, in monumentale Architektur gekleidet.
Central Collecting Point Gallery I
Wie der Führerbau wird der Verwaltungsbau im April/Mai 1945 kaum kriegsbeschädigt von der US-Armee übernommen. Ab Juni 1945 dient er als Gallery I des Munich Central Collecting Point — hier werden insbesondere großformatige Bestände und Skulpturen restituiert.
Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI) seit 1948
Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte wird 1947 gegründet — direkt aus der Arbeit des Collecting Points heraus, als interdisziplinäre Forschungsinstitution für Kunstgeschichte und Provenienzforschung. Seit 1948 hat es seinen Sitz im ehemaligen Verwaltungsbau und ist bis heute dort. Das ZI ist eine eigenständige bundes- und landesgeförderte Einrichtung von internationalem Rang und nach wie vor zentral für die Provenienzforschung zu NS-Raubkunst.
Heute: Münchner Haus der Kulturinstitute
Im ehemaligen Verwaltungsbau befinden sich heute unter anderem das Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI), das Institut für Klassische Archäologie und das Institut für Ägyptologie der LMU sowie Magazine der Staatlichen Antikensammlungen. Das Gebäudeensemble heißt heute „Münchner Haus der Kulturinstitute". Das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst liegt in der unmittelbaren Nachbarschaft, allerdings in einem eigenständigen unterirdischen Neubau (Architekt Peter Böhm) unter dem Gebäude der Hochschule für Fernsehen und Film an der Gabelsbergerstraße 35 — eröffnet am 10. Juni 2013.
Worte.
„Im Verwaltungsbau saßen der Reichsorganisationsleiter sowie zwei große Abteilungen der Reichsleitung der NSDAP: die Dienststellen Reichsschatzmeister und Stellvertreter des Führers."— NS-Dokumentationszentrum · Lexikoneintrag
„Seit 1948 hat das Zentralinstitut für Kunstgeschichte seinen Sitz in diesem historischen Gebäude am Königsplatz, dem ehemaligen Verwaltungsbau der NSDAP."— Zentralinstitut für Kunstgeschichte
Weiterführend.
- / AZentralinstitut für Kunstgeschichte · Gebäudegeschichte
- / BMunichArtToGo · Verwaltungsbau
- / CNS-Doku · Parteiviertel
- / DNS-Doku · Reichsschatzmeister
- / EWikipedia · Münchner Haus der Kulturinstitute
- / FBundesarchiv · NSDAP-Mitgliederkartei
- / GLauterbach / Grammbitter · Das Parteizentrum der NSDAP in München
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