Geschichte / NS-Zeit / Parteizentrale Schellingstraße

Schelling­straße 50

Nach der Neugründung der NSDAP 1925 saß die „Reichshauptgeschäftsstelle“ der Partei bis 1931 in der Schellingstraße 50 — vermittelt vom Fotografen Heinrich Hoffmann, in dessen Atelier im Rückgebäude Hitler später Eva Braun kennenlernte. An der Fassade erinnert bis heute ein verwitterter Reichsadler.

1925 · Reichshauptgeschäftsstelle4 → 56 · Angestellte 1925–1930Heinrich Hoffmann · Leibfotograf1931 · Umzug ins Braune Hausheute · Reichsadler an der Fassade

Von der Thierschstraße zur Schellingstraße

Nach dem Verbot der NSDAP infolge des niedergeschlagenen Hitlerputsches von 1923 wurde die Parteizentrale zunächst inoffiziell in das Gebäude des parteieigenen Eher-Verlags in der Thierschstraße 15 verlegt, wo die Partei im Februar 1925 neu gegründet wurde. Schon nach einem Monat zog die Geschäftsstelle in repräsentativere Räume in die Schellingstraße 50, die sich fortan „Reichshauptgeschäftsstelle“ nannte.

Die Lage passte: Schräg gegenüber, in der Schellingstraße 39/41, residierte im Buchgewerbehaus die Redaktion des ebenfalls zwischenzeitlich verbotenen „Völkischen Beobachters“ aus dem Eher-Verlag — Partei und Parteiblatt lagen in derselben Straße.

Heinrich Hoffmann

Vermittelt hatte den Umzug in die Maxvorstadt der Fotograf Heinrich Hoffmann, der im Rückgebäude der Schellingstraße 50 seine Firma „Photographische Berichterstattung“ betrieb — populär geworden durch die Dokumentation der revolutionären Ereignisse in München 1918/19. Hitlers Mentor Dietrich Eckart hatte die beiden bekannt gemacht; Hoffmann wurde Hitlers Leibfotograf und baute ein reichsweites Fotoimperium auf. 1933 stieg er zum „Reichsbildberichterstatter“ auf und verantwortete die gesamte bildliche Propaganda des NS-Staats.

Im Atelier Hoffmann lernte Hitler auch dessen Sekretärin Eva Braun kennen, die später als seine Geliebte in eine Villa nach Bogenhausen zog.

Wachstum und Umzug

Die Geschäftsstelle expandierte mit den rasant wachsenden Mitgliederzahlen der NSDAP; die Partei mietete auch Teile des Hinterhauses an. Hatte die Geschäftsstelle 1925 noch vier Angestellte, waren es 1930 bereits 56. 1931 folgte der Umzug in das größere und repräsentativere „Braune Haus“ an der Brienner Straße.

Das Gebäude steht noch: An der Außenfassade der Schellingstraße 50 erinnert bis heute ein verwitterter Reichsadler an die einstige Parteizentrale — eines der wenigen unmittelbar sichtbaren Relikte im Straßenbild der nördlichen Maxvorstadt.

Zitate

Worte.

„Die Geschäftsstelle der NSDAP wurde in repräsentativere Räumlichkeiten in der Schellingstraße 50 verlegt, die sich nun »Reichshauptgeschäftsstelle« nannte.“— Rüdiger Liedtke · 111 Orte … Nazi-Zeit
„An der Außenfassade der Schellingstraße 50 erinnert immer noch ein verwitterter Reichsadler an die einstige Parteizentrale.“— Rüdiger Liedtke · 111 Orte … Nazi-Zeit
Weiter im Viertel

Zurück zur
Karte der
NS-Topografie.

Königsplatz, Ehrentempel, Führerbau, Verwaltungsbau, NS-Doku — und alle 34 Orte der Maxvorstadt.

Alle OrteJüdische Maxvorstadt