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Luisen­straße

Lange Nord-Süd-Achse vom Hauptbahnhof am Königsplatz vorbei bis zum Alten Nordfriedhof: Luisengymnasium, Heyse-Villa, Lenbachhaus und TU München liegen an ihr.

1,45 kmLänge
1812Benennungsjahr
1822Gründung der Höheren Töchterschule (heute Luisengymnasium)
1929Eröffnung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus

Namensherkunft

Die Straße trägt seit dem 1. Dezember 1812 den Namen der Prinzessin Ludovika Wilhelmine von Bayern (1808–1892), genannt Luise, einer Tochter König Maximilians I. Joseph aus dessen zweiter Ehe mit Karoline von Baden. Zum Zeitpunkt der Benennung war die Namensgeberin gerade vier Jahre alt. Sie heiratete 1828 Herzog Max in Bayern und wurde Mutter von neun Kindern, darunter die spätere Kaiserin Elisabeth von Österreich („Sisi“). Bis ins 20. Jahrhundert wurde der Straßenname auch „Louisenstraße“ geschrieben. Die Benennung gehört zu einer ganzen Gruppe von Maxvorstadt-Straßen, die 1812 nach Angehörigen des Königshauses benannt wurden – Amalien-, Elisen-, Sophien- und Luisenstraße erinnern an vier Töchter des ersten bayerischen Königs.

Vor 1812 trugen die Teilstücke der heutigen Luisenstraße nach Angaben der Stadtgeschichte-Datenbank verschiedene, erst 1808 vergebene Namen: „Löwenstraße“ für den Abschnitt bis zum Königsplatz, „Wittelsbacherstraße“ vom Königsplatz bis zur Gabelsbergerstraße und „Grasstraße“ für den nördlichen Teil; die Schulchronik des Luisengymnasiums nennt zudem den Namen „Gartenstraße“. Die Stadtgeschichte-Datenbank weist darauf hin, dass Zeitgenossen mit dem Namen Luise zugleich die 1810 verstorbene und in ganz Deutschland verehrte Königin Luise von Preußen verbanden.

Der Straßenname hat seinerseits Namen gestiftet: Die 1822 gegründete Höhere Töchterschule hieß im Volksmund erst „Luisenschule“, nachdem sie 1901 in ihren Neubau an der Luisenstraße gezogen war – „die Adresse brachte mit sich, dass die Münchner sie Luisenschule nannten“; 1961 wurde daraus der amtliche Name Luisengymnasium. Auch die Hausnummern haben sich verschoben: Die Heyse-Villa, heute Luisenstraße 22, trug in den 1870er-Jahren die Nummer 49 (Bäumler u. a. 2015, S. 35).

Geschichte

Die Luisenstraße entstand mit dem Stadterweiterungsplan für die Maxvorstadt, den Friedrich Ludwig Sckell und Karl von Fischer ab 1808 im Auftrag Max Josephs entwarfen: ein schachbrettartiges Raster nordwestlich der Altstadt, in dem die Luisenstraße als eine der langen Nord-Süd-Achsen zwischen Bahnhof und Nordfriedhof festgelegt wurde. Zunächst war das Gelände am Stadtrand mit Gärten und einzelnen Häusern besetzt. Am Südende, gegenüber dem Alten Botanischen Garten (angelegt 1804–1812), stieß die Straße auf das Gebiet des späteren Bahnhofs; 1839 fuhr hier die erste Eisenbahn nach Augsburg ab. Wie nahe die Straße an den großen Repräsentationsprojekten Ludwigs I. lag, zeigt eine Episode aus den 1830er-Jahren: Als Friedrich von Gärtner ein Grundstück für die Hof- und Staatsbibliothek suchte, verwarf er zunächst den Königsplatz, erwog dann einen Bau an der Luisenstraße und entschied sich schließlich – „wohl aus symbolischen Gründen“ – für die Ludwigstraße.

Prägend wurde der Königsplatz, den Leo von Klenze ab 1816 anlegte: Die Luisenstraße bildet dessen Westseite mit den Propyläen (1854–1862). Um 1900 gewährte allein die Toranlage den Zutritt zum Platz; an die beiden Seitentürme der Propyläen stieß eine halbhohe Ziegelmauer, die die Sicht von der Luisenstraße her versperrte. Die Augsburger Abendzeitung klagte 1893, diese „garstige Mauer“ verhindere „die Entfaltung des Platzes zum vornehmsten Square Europas“, und Damen sei abends vom Lustwandeln dort abzuraten, weil die westlichen Anlagen zu „Schlupfwinkeln für allerlei Gesindel“ geworden seien (Köpf 2005, S. 49). Südlich des Platzes errichtete Georg Friedrich Ziebland 1835–1850 die Basilika St. Bonifaz mit Benediktinerkloster, dessen Klostergarten bis heute an die Ecke Karl-/Luisenstraße reicht.

1822 hatte Simon Spitzweg, der Vater des Malers Carl Spitzweg, bei der Lokal-Schul-Commission die „Errichtung einer Höheren Töchterschule“ beantragt – mit dem Argument, Kenntnisse kleideten die Frau ebenso gut wie den Mann. Die Mädchen lernten kaufmännisches Rechnen, Französisch, bayerische Geschichte, Schreibkunst und Gesang; die Bildung sollte sie freilich vor allem auf die Ehe vorbereiten. Die Schule bezog zunächst behelfsmäßige Räume und musste sechsmal umziehen, bis 1901 der Neubau von Theodor Fischer an der Luisenstraße 7 bezogen wurde. Das Mädchenlyzeum war mittlerweile dem Gymnasium gleichgestellt, seine Schülerinnen konnten die Hochschulreife erwerben – studieren durften sie aber zunächst nur außerhalb Bayerns. 1961 wurde die Schule offiziell in Luisengymnasium umbenannt, 1969 nahm sie die ersten Jungen auf, 1987 kam ein Klinker-Erweiterungsbau hinzu (Arz 2018, S. 108). Es ist das älteste städtische Gymnasium Münchens.

Ein Stück Kunstgewerbegeschichte spielte an der Luisenstraße 37: Hier leitete Max Ainmiller seit 1837 die Königliche Glasmalereianstalt, die die großen deutschen Dome und viele Münchner Kirchen – etwa die Mariahilfkirche in der Au – mit ihren Fenstern schmückte. Nach Ainmillers Tod 1870 übernahm Franz Xaver Zettler die Anstalt, musste das Gebäude aber 1875 räumen, worauf es die Königliche Kunstgewerbeschule in Anspruch nahm; Zettler gründete eine eigene Glasmalerei an der Brienner Straße und stieg später in die Mayer'sche Hofkunstanstalt seines Schwiegervaters ein (Stephan 2013, S. 49). Nördlich der Gabelsbergerstraße errichtete Gottfried von Neureuther 1865–1868 den Neubau des Polytechnikums im Stil der italienischen Hochrenaissance; der sich stufenweise bis zur Luisenstraße vergrößernde Komplex war ein Signal dafür, dass auch das technische Denken seinen Platz in München gefunden hatte. Der ursprüngliche Bau ist nur noch auf alten Fotografien zu sehen: Friedrich von Thiersch erweiterte die Hochschule 1910–1916 mit dem turmbekrönten Südtrakt bis zur Luisenstraße, German Bestelmeyer fügte 1923–1928 weitere Blöcke hinzu, und der Zweite Weltkrieg zehrte die Substanz Neureuthers völlig auf.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Straße zur Adresse des Münchner Kulturbürgertums. Neureuther baute 1873–1874 an der Luisenstraße 22 – damals Haus Nr. 49 – die Villa für den Dichter Paul Heyse, der seit 1854 auf Einladung Maximilians II. in München lebte und 1856 den Dichterkreis „Die Krokodile“ aus Münchnern und zugewanderten „Nordlichtern“ initiiert hatte. Nach 1874 fanden die Treffen der Krokodile regelmäßig in seiner Villa statt, nachmittags war ein Teetisch mit seiner zweiten Frau Anna eingerichtet (Bäumler u. a. 2015, S. 35 und 48). Heyse wohnte hier dreißig Jahre lang und erhielt 1910 als erster Deutscher den Literaturnobelpreis; Gäste wie Johannes Brahms, Theodor Fontane, Adolph von Menzel und Thomas Mann gingen ein und aus. In der Nachbarschaft entstanden das Wohnhaus des Verlegers Georg Hirth und – „gewissermaßen als architektonischer Höhepunkt“ – die italienisierende Stadtvilla des „Malerfürsten“ Franz von Lenbach, die Gabriel von Seidl 1887–1891 mit Atelier errichtete (Luisenstraße 33). Wer von hier weiter nach Norden ging, gelangte allerdings schnell in jene Regionen, „in denen das genormte Mietshaus regierte“. Um 1900 wohnte auch der Kosmiker Alfred Schuler mit seiner verwitweten Mutter in einer geräumigen Wohnung an der Luisenstraße; von „Mama“ erhielt er ein großzügiges Taschengeld, das er bei seinen Vorträgen mit einem Kollektenteller aufbesserte.

1924 verkaufte Lolo von Lenbach die Villa an die Stadt und stiftete Teile der Sammlung; 1929 wurde an der Luisenstraße 33 die Städtische Galerie im Lenbachhaus eröffnet, die mit der Schenkung Gabriele Münters 1957 zur wichtigsten Sammlung des „Blauen Reiters“ wurde. In der NS-Zeit lag die Straße unmittelbar am Parteiviertel: Die 1938 festgelegte Grenze des „eigenen Stadtgebiets der nat.soz. Bewegung“ um Königs- und Karolinenplatz verlief entlang der Luisenstraße. Hitlers Planer wollten Luisen- und Isabellastraße über den Alten Nordfriedhof hinweg zu einer Prachtallee verbinden, die Achse bis zum Parteiforum am Königsplatz durchziehen und den Friedhof einebnen; auf einem Teil des Geländes sollte ein Altersruhesitz Hitlers entstehen. Oberbürgermeister Karl Fiehler setzte die Ruhefrist von 15 auf sieben Jahre herab, und am 20. Juli 1939 lasen die Münchner in der Gemeinde-Zeitung, dass der Friedhof ab sofort für Beerdigungen gesperrt sei – die Stadt blieb hart, was aus den Familiengräbern werden sollte, blieb offen (Arz 2018, S. 79). Die katholische Studentenverbindung Rhaetia, die im Januar 1933 die Villa Luisenstraße 31 erworben hatte, hielt unter ihrem Philistersenior Max Lebsche an einem regimekritischen Kurs fest; der Innenminister der Weimarer Jahre, Karl Stützel, nach dem heute der Platz vor dem Luisengymnasium heißt, wurde im März 1933 von der SA misshandelt und aus dem Amt gejagt.

Der Krieg rettete den Friedhof, fügte ihm aber schwere Wunden zu: Die meisten Friedhofsbauten und ein Teil der Arkadengrüfte wurden zerstört und nicht wiederaufgebaut, ab 1944 war das Gelände gesperrt. Im Mai 1945 errichtete die US-Armee dort ein Internierungslager für 114 hochrangige Nationalsozialisten, das drei Jahre später aufgelöst wurde. Anfang der 1950er-Jahre tauchte die Idee einer Straßenverbindung durch den Friedhof noch einmal kurz auf, baufällige Gräber wurden beseitigt; erst eine neu gebildete Gräberkommission verhinderte die völlige Zerstörung der letzten Epitaphe, und Hans Döllgast gab dem Friedhof seine heutige Gestalt. Die Umgebung des Königsplatzes war zu rund 70 Prozent zerstört; die Rhaetia-Villa blieb Ruine, die Heyse-Villa wurde 1947–1949 vereinfacht wiederhergestellt, St. Bonifaz nur zur Hälfte wiederaufgebaut. An die Stelle der Kriegslücken traten Bauten der Nachkriegsmoderne, die heute selbst unter Denkmalschutz stehen: die Berufsschule für Bau- und Kunsthandwerker von Herbert Landauer (Luisenstraße 9/11, 1952–1961), das neue Rhaetenhaus mit seiner weiß-blauen Sgraffito-Fassade (Nr. 27, 1958), die Städtische Berufsschule von Angerer, Hlawaczek und Lucas an der Ecke Brienner Straße (Nr. 29, 1958–1960) und das Institut für Technische Physik von Josef Wiedemann und Franz Hart (Nr. 37a, 1959). 1951 bezogen das Institut für Allgemeine und Angewandte Geologie der Universität und die Geologische Staatssammlung nach Kriegszerstörung und Zwischenstationen ihr neues Gebäude an der Luisenstraße 37; das Museum musste sich seither mit den Wandvitrinen im Hauptflur des Erdgeschosses als Ausstellungsfläche begnügen.

1980 erhielt der Königsplatz seinen U-Bahnhof, 1984 entstand am Südende der Elisenhof von Herbert Kochta, 1996 stellte Mauro Staccioli seine Skulptur „Ring“ vor dem Luisengymnasium auf. Zwischen 2004 und 2007 wuchs zwischen Luisen- und Katharina-von-Bora-Straße auf dem Gelände der Alten Chemie der Universität, an der Justus von Liebig gelehrt hatte, das rund um die Uhr bewachte Luxusquartier „Lenbachgärten“ mit Büros, Wohnungen und Fünf-Sterne-Hotel; seit Dezember 2007 residiert dort die Verlagsgruppe Condé Nast. Um die verfallende Heyse-Villa entbrannte 2013 ein Streit, als der neue Eigentümer gegen die Stadt klagte, die den Abbruch verweigert hatte; eine bürgerschaftliche Rettungsaktion mit Unterstützung der Medien und namhafter Literaturwissenschaftler sammelte 6500 Unterschriften und rückte die Villa wieder ins öffentliche Bewusstsein. Im selben Jahr wurde das von Foster + Partners erweiterte Lenbachhaus wiedereröffnet, in dem Joseph Beuys dank einer Schenkung des Verlegers Lothar Schirmer einen eigenen Trakt erhielt. Seit Oktober 2022 betreibt der Drei-Sterne-Koch Jan Hartwig im Rhaetenhaus sein Restaurant „Jan“.

Heute

Die Luisenstraße ist heute eine Straße der Kontraste: Am Südende dominieren der Elisenhof mit Büros und Läden, der Verkehr des Bahnhofsviertels und der Alte Botanische Garten; dahinter liegt das abgeschirmte Quartier der „Lenbachgärten“ mit dem Sitz von Condé Nast, das Arz als „Fremdkörper“ in der quirligen Maxvorstadt beschreibt. Im Mittelteil öffnet sich die Straße zum Königsplatz mit Propyläen, Glyptothek und Lenbachhaus, dessen Kunstbau direkt über dem U-Bahnhof liegt; im Museum sind das Café Ella und die Kunstbuchhandlung Walther König untergebracht. Nördlich der Brienner Straße folgen das Geologische Museum der Bayerischen Staatssammlung (Nr. 37) mit seinen Vitrinen im Hausflur, der Thiersch-Trakt der TU München und schließlich Wohnhäuser der Gründerzeit bis zum Alten Nordfriedhof, der seit 1939 nicht mehr belegt wird und als Park dient.

Schulen, Hochschulen und Museen prägen den Alltag mehr als Handel oder Gastronomie; Ausnahmen sind das Restaurant „Jan“ im Rhaetenhaus, die Tagesbar „Luise“ (Nr. 49), die Lokale um den Karl-Stützel-Platz und die Puppenstube (Nr. 68), in der seit den 1970er-Jahren antike Porzellanpuppen repariert und Marionetten verkauft werden. Verkehrlich ist die Straße über die U-Bahnhöfe Hauptbahnhof und Königsplatz sowie die Tramlinien an der Karlstraße erschlossen; der Kfz-Verkehr ist zwischen Bahnhof und Brienner Straße erheblich, im nördlichen Abschnitt ruhiger. Die Wohnlage im Norden zählt mit ihrer Nähe zu Kunstareal, TU und Universitätsviertel zu den gefragten Adressen der Maxvorstadt.

Adressen

Wichtige
Hausnummern.

№ 01 · Luisenstr. 4

Elisenhof

Büro- und Einkaufszentrum, 1984

Der Gebäudekomplex zwischen Elisen-, Luitpold-, Luisen- und Prielmayerstraße entstand 1984 nach Plänen von Herbert Kochta und wurde 2013 saniert; rund 28.000 m² Büro- und 12.000 m² Handelsfläche.

№ 02 · Luisenstr. / Katharina-von-Bora-Str.

Lenbachgärten

Luxusquartier, 2004–2007

Zwischen Altem Botanischem Garten und St. Bonifaz auf dem Gelände der Alten Chemie der Universität (Wirkungsstätte Justus von Liebigs) errichtet: Büros, Wohnungen, Fünf-Sterne-Hotel; Teile der denkmalgeschützten Hörsaalfassade wurden in ein Bürohaus integriert. Seit Dezember 2007 Sitz der Verlagsgruppe Condé Nast (Arz 2018, S. 96).

№ 03 · Luisenstr. 7

Städtisches Luisengymnasium

Schulbau von Theodor Fischer, 1900–1901

1822 von Simon Spitzweg als Höhere Töchterschule gegründet, nach sechs Umzügen seit 1901 im Bau Theodor Fischers; der Volksmund nannte sie nach der Adresse Luisenschule, 1961 amtlich Luisengymnasium, 1969 koedukativ, 1987 Klinker-Erweiterungsbau (Arz 2018, S. 108). Ältestes städtisches Gymnasium Münchens; im Rückgebäude die ehemalige Gewerbeschule (1899–1900).

№ 04 · Luisenstr. 9/11

Berufsbildungszentrum für Bau und Gestaltung

Nachkriegsmoderne, 1952–1961

Fünfgeschossiger Flachdachbau mit Arkadengang, Rasterfassaden und Glasbausteinen von Herbert Landauer; Baudenkmal der Wiederaufbauzeit.

№ 05 · Luisenstr. 22

Paul-Heyse-Villa

Villa von Gottfried von Neureuther, 1873–1874

Neurenaissance-Villa im Garten, direkt an die Glyptothek grenzend, damals Haus Nr. 49; Wohnhaus des Nobelpreisträgers Paul Heyse und nach 1874 Treffpunkt des Dichterkreises „Die Krokodile“ (Bäumler u. a. 2015, S. 35, 48). Seit 1942 Baudenkmal; 2013 klagte der neue Eigentümer gegen die von der Stadt verweigerte Abbruchgenehmigung, eine bürgerschaftliche Rettungsaktion hielt dagegen.

№ 06 · Luisenstr. 27

Rhaetenhaus / Restaurant Jan

Verbindungshaus, 1958

Haus der katholisch-bayerischen Studentenverbindung Rhaetia mit weiß-blauer Sgraffito-Fassade und acht Meter hohem Bildnis Max Josephs; seit Oktober 2022 Sitz des Drei-Sterne-Restaurants „Jan“ von Jan Hartwig.

№ 07 · Luisenstr. 29

Städtische Berufsschule (Ecke Brienner Straße)

Schulkomplex, 1958–1960

Höhengestaffelte Stahlbetonskelettbauten mit Sonnenschutzlamellen aus Sichtbeton von Fred Angerer, Rudolf Hlawaczek und Frank Lucas, ehemals Kaufmannsschule und Berufsschule für Mädchen; Baudenkmal.

№ 08 · Luisenstr. 33

Lenbachhaus

Villa Franz von Lenbachs, 1887–1891; Städtische Galerie seit 1929

„Florentinischer Palazzo in einem toskanisch wirkenden Garten“ (Smith 2009, S. 100): Dreiflügelanlage von Gabriel von Seidl mit Atelierbau, 1927–1928 um den Galerietrakt, 1972 und 2013 (Foster + Partners) erweitert. Weltweit größte Sammlung des „Blauen Reiters“ dank der Schenkung Gabriele Münters 1957; seit der Wiedereröffnung 2013 eigener Beuys-Trakt nach einer Schenkung Lothar Schirmers. Im Haus Café Ella und Buchhandlung Walther König.

№ 09 · Luisenstr. 37 (hist.)

Königliche Glasmalereianstalt

Werkstatt und Schule, 1837–1875

Seit 1837 von Max Ainmiller geleitet, versorgte die Anstalt die großen deutschen Dome und viele Münchner Kirchen mit Glasfenstern. Nach Ainmillers Tod 1870 übernahm Franz Xaver Zettler; 1875 musste er das Gebäude räumen, das die Königliche Kunstgewerbeschule bezog (Stephan 2013, S. 49; Arz 2018, S. 115).

№ 10 · Luisenstr. 37

Geologisches Museum München

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, Gebäude von 1951

Institut und Staatssammlung für Allgemeine und Angewandte Geologie gehen auf ein Vermächtnis von August Rothpletz und die Namib-Gesteinssammlung des ersten Lehrstuhlinhabers Erich Kaiser zurück; 1951 bezogen sie das neue Gebäude, seit 2000 wieder mit der Paläontologie vereint. Mangels eigener Säle dienen die Wandvitrinen im Hauptflur des Erdgeschosses als Ausstellung (Arz 2018, S. 96); Schübe mit Handstücken laden zum Anfassen ein (Smith 2009, S. 106). Eintritt frei.

№ 11 · Luisenstr. 37a

Musiklabor der Hochschule für Musik und Theater

ehem. Institut für Technische Physik der TU, 1959

Kubischer Stahlbetonskelettbau mit gelbem Ziegelmauerwerk und Aluminium-Glas-Elementen von Josef Wiedemann und Franz Hart, von der Gabelsbergerstraße zurückgesetzt; Baudenkmal.

№ 12 · Luisenstr. (Ecke Gabelsbergerstr.)

Technische Universität München, Südtrakt

Friedrich von Thiersch, 1910–1916

Neureuthers Polytechnikum von 1865–1868 im Stil der italienischen Hochrenaissance wuchs stufenweise bis zur Luisenstraße; sein Bau ist nur noch auf alten Fotografien zu sehen (Stephan 2013, S. 45). Der Südtrakt Thierschs mit Turm und plastisch reichem Mittelbau setzt sich an der Luisenstraße fort; im Hof die Maschinenhalle von 1912, nördlich die Blöcke German Bestelmeyers (1923–1928).

№ 13 · Luisenstr. 49

Mietshaus / Tagesbar Luise

Neurenaissance, Ende 19. Jh.

Wohnhaus mit zwei Erkern und Giebelaufsatz; eines der wenigen erhaltenen Gründerzeithäuser des nördlichen Abschnitts und Baudenkmal. Im Erdgeschoss die beliebte Tagesbar „Luise“ (Arz 2018, S. 135).

№ 14 · Luisenstr. 68

Die Puppenstube

Werkstatt und Laden, seit den frühen 1970er-Jahren

Gertraud Stadler repariert hier antike Porzellanpuppen und verkauft Puppen an Kinder, Puppenspieler und Sammler; auch handgemachte Marionetten wie der Kasperl sind zu haben (Smith 2009, S. 120).

№ 15 · Luisenstr. / Zieblandstr.

Alter Nordfriedhof

Friedhof von Arnold Zenetti, 1866–1869

Rechteckige Anlage mit Backsteinmauern für rund 62.000 Bestattungen, darunter viele Maler und Schriftsteller; am 20. Juli 1939 wegen Hitlers Plan einer Prachtallee zwischen Luisen- und Isabellastraße geschlossen, 1945–1948 US-Internierungslager, nach Kriegsschäden von Hans Döllgast schlicht instand gesetzt (Arz 2018, S. 79). Heute Parkanlage mit rund 800 Grabstellen und Spielplatz auf dem Gelände der zerstörten Aussegnungshalle.

Personen

Wer hier
lebte und wirkte.

Ludovika Wilhelmine von Bayern

1808–1892 · Prinzessin, Herzogin in Bayern, Namensgeberin

Tochter Max Josephs und Mutter der Kaiserin Elisabeth; die Straße wurde 1812 nach der damals Vierjährigen benannt.

Simon Spitzweg

1776–1828 · Kaufmann, Schulgründer

Beantragte 1822 die „Errichtung einer Höheren Töchterschule“, aus der das Luisengymnasium (Luisenstraße 7) hervorging; Vater des Malers Carl Spitzweg (Arz 2018, S. 108).

Max Ainmiller

1807–1870 · Glasmaler

Leitete seit 1837 die Königliche Glasmalereianstalt an der Luisenstraße 37, deren Fenster die großen deutschen Dome schmückten; nach seinem Tod 1870 übernahm Franz Xaver Zettler (Stephan 2013, S. 49).

Paul Heyse

1830–1914 · Schriftsteller, Literaturnobelpreisträger 1910

Wohnte ab 1874 dreißig Jahre lang in der Villa Luisenstraße 22 (damals Nr. 49), wo sich der von ihm 1856 gegründete Dichterkreis „Die Krokodile“ traf; obwohl zum evangelischen Glauben konvertiert, bekannte er sich offen zu seinen jüdischen Wurzeln (Bäumler u. a. 2015, S. 25, 35).

Gottfried von Neureuther

1811–1887 · Architekt

Entwarf 1873–1874 die Heyse-Villa (Nr. 22) und 1865–1868 das Polytechnikum, dessen Komplex stufenweise bis zur Luisenstraße wuchs (Stephan 2013, S. 45).

Georg Hirth

1841–1916 · Verleger, Gründer der „Jugend“

Sein vornehm gediegenes Wohnhaus an der Luisenstraße gehörte mit den Villen Heyses und Lenbachs zur Bebauung des Königsplatz-Umfelds (Stephan 2013, S. 56).

Franz von Lenbach

1836–1904 · Maler

Ließ sich 1887–1891 an der Luisenstraße 33 von Gabriel von Seidl seine Villa mit Atelier bauen – nach Italienreisen mit Piloty und Kopieraufträgen für Schack im mediterranen Stil (Smith 2009, S. 100–101); Porträtist Bismarcks und der Münchner Gesellschaft.

Alfred Schuler

1865–1923 · Privatgelehrter, „Kosmiker“

Aus Mainz zugezogen, bewohnte er mit seiner verwitweten Mutter eine geräumige Wohnung in der Luisenstraße; von ihrem Taschengeld lebend, hielt er Vorträge über das antike Rom und propagierte mit Klages die „Blutleuchte“ (Large 2001, S. 61).

Theodor Fischer

1862–1938 · Architekt, Stadtplaner

Baute 1899–1901 die Höhere Töchterschule und die Gewerbeschule an der Luisenstraße 7, eines seiner frühen Münchner Hauptwerke.

Friedrich von Thiersch

1852–1921 · Architekt

Errichtete 1910–1916 den turmbekrönten Südtrakt der Technischen Hochschule, der sich an der Luisenstraße fortsetzt.

Karl Stützel

1872–1944 · Bayerischer Innenminister 1924–1933

Gegner der NSDAP, im März 1933 von der SA misshandelt; seit 2017 trägt der Platz zwischen Luisengymnasium und Sophienstraße seinen Namen.

Karl Fiehler

1895–1969 · NS-Oberbürgermeister Münchens 1933–1945

Setzte für Hitlers Plan einer Prachtallee zwischen Luisen- und Isabellastraße die Ruhefrist auf dem Alten Nordfriedhof von 15 auf sieben Jahre herab und ließ den Friedhof am 20. Juli 1939 sperren (Arz 2018, S. 79).

Max Lebsche

1886–1957 · Chirurg, Philistersenior der Rhaetia

Hielt die Verbindung im Rhaetenhaus (Luisenstraße 31, später 27) von 1932 bis 1957 auf regimekritischem Kurs; 1936 wurde er aus der Universität gedrängt.

Jan Hartwig

* 1982 · Koch

Eröffnete im Oktober 2022 im Rhaetenhaus (Luisenstraße 27) sein Restaurant „Jan“, das mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist.

Chronik

Luisenstraße in Daten

1808

Erste Benennung der Teilstücke im Zuge des Stadterweiterungsplans für die Maxvorstadt.

1812

Benennung nach Prinzessin Ludovika (Luise) von Bayern.

1822

Simon Spitzweg beantragt die Höhere Töchterschule, Vorläuferin des Luisengymnasiums.

1837

Max Ainmiller übernimmt die Leitung der Königlichen Glasmalereianstalt an der Luisenstraße; nach seinem Tod 1870 folgt Franz Xaver Zettler, 1875 zieht die Kunstgewerbeschule ein.

1873–1874

Neureuther baut die Villa für Paul Heyse (Nr. 22, damals Nr. 49); dort treffen sich fortan die „Krokodile“.

1887–1891

Gabriel von Seidl errichtet die Lenbach-Villa (Nr. 33).

1901

Einzug der Höheren Töchterschule in den Neubau Theodor Fischers (Nr. 7) – seither „Luisenschule“.

1929

Eröffnung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus.

1939

20. Juli: Der Alte Nordfriedhof wird für Beerdigungen gesperrt – Hitler will Luisen- und Isabellastraße zu einer Prachtallee verbinden.

1944/45

Schwere Zerstörungen rund um den Königsplatz; Rhaetia-Villa und Teile der Heyse-Villa getroffen. Mai 1945: US-Internierungslager für 114 hochrangige Nationalsozialisten auf dem Nordfriedhof.

1951

Institut für Geologie der Universität und Geologische Staatssammlung beziehen das neue Gebäude Luisenstraße 37.

1958

Neues Rhaetenhaus (Nr. 27); Bau der Berufsschule Nr. 29.

1961/1969

Umbenennung in Luisengymnasium; acht Jahre später werden die ersten Jungen aufgenommen.

1980

Eröffnung des U-Bahnhofs Königsplatz.

2013

Bürgerschaftliche Rettungsaktion für die Paul-Heyse-Villa; Wiedereröffnung des erweiterten Lenbachhauses mit eigenem Beuys-Trakt.

2022

Jan Hartwig eröffnet das Restaurant „Jan“ im Rhaetenhaus.

„Unstreitig kleiden Kenntnisse die Frau ebenso gut als den Mann …“
Simon Spitzweg, Antrag „die Errichtung einer Höheren Töchterschule betreffend“ an die Lokal-Schul-Commission, 1822 – zitiert nach Arz 2018, S. 108
Literatur & Quellen

Zum
Weiterlesen.

  • / 01Arz 2018, S. 79, 96, 108, 115, 134–139 · Maxvorstadt. Reiseführer für MünchnerLiefert die Geschichte des Luisengymnasiums mit dem Spitzweg-Zitat, die NS- und Nachkriegsgeschichte des Alten Nordfriedhofs, die Geologische Staatssammlung an der Nr. 37, die Lenbachgärten sowie Lokale und Läden an der Straße.
  • / 02Bäumler u. a. 2015, S. 25, 32, 35, 48 · Die Maxvorstadt. Historische Betrachtungen zu einem KulturViertelBeschreibt die Heyse-Villa als Treffpunkt der „Krokodile“ (mit der alten Hausnummer 49), die Rettungsaktion von 2013 und Gärtners verworfenen Bibliotheksstandort an der Luisenstraße.
  • / 03Stephan 2013, S. 45, 49, 56, 59, 137 · Maxvorstadt. Zeitreise ins alte MünchenBelegt die Königliche Glasmalereianstalt Ainmillers und Zettlers, das Wachsen des Polytechnikums zur Luisenstraße, die Villen Heyses, Hirths und Lenbachs, den nicht realisierten NS-Straßendurchbruch und die Propyläenfront um 1900.
  • / 04Köpf 2005, S. 49, 123 · Der Königsplatz in MünchenZitiert die Klage der Augsburger Abendzeitung von 1893 über die Mauer an der Luisenstraße und nennt die Luisenstraße als Grenze des NS-Parteiviertels.
  • / 05Smith 2009, S. 100–101, 106, 120, 132 · Nur in MünchenSteuert Lenbachs Biografie und die Charakterisierung des Lenbachhauses als florentinischen Palazzo, das Geologische Museum, die Puppenstube (Nr. 68) und die NS-Achsenplanung über den Alten Nordfriedhof bei.
  • / 06Large 2001, S. 61 · Hitlers MünchenNennt den Kosmiker Alfred Schuler als Bewohner der Luisenstraße.
  • / 07Liedtke 2013, S. 123 · 111 Orte in München, die Geschichte erzählenBelegt den Beuys-Trakt im Lenbachhaus seit der Wiedereröffnung 2013 (Schenkung Lothar Schirmer).

Online-Quellen